
Testosteron: Auch ein Frauenhormon
Testosteron ist auch ein Frauenhormon. Was es bewirkt, wie es sich in den Wechseljahren verändert und wann eine Behandlung wirklich sinnvoll ist.
Wenn von Testosteron die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an Männer. Doch auch Frauen bilden dieses Hormon. Testosteron gehört zur normalen weiblichen Hormonphysiologie und wirkt in verschiedenen Geweben, unter anderem im Gehirn und in der Muskulatur.
Gerade in den Wechseljahren lohnt es sich deshalb, bei entsprechenden Beschwerden auch dieses Hormon zu berücksichtigen. Entscheidend ist dabei das Gesamtbild: Ihre Beschwerden, Ihre gesundheitliche Vorgeschichte und die möglichen Ursachen.
Testosteron spielt eine Rolle für die Libido und beeinflusst auch den Muskelstoffwechsel. Seine Wirkung beschränkt sich somit nicht auf einen einzigen Bereich des Körpers.
Für die Muskulatur ist jedoch eine Unterscheidung wichtig: Die biologische Wirkung des Hormons bedeutet nicht automatisch, dass eine zusätzliche Testosterongabe bei Frauen Muskelmasse oder Muskelkraft zuverlässig verbessert. Ein solcher Nutzen ist bei Dosierungen im normalen weiblichen Bereich bislang nicht ausreichend belegt.
Der Testosteronspiegel nimmt bei vielen Frauen bereits vor den Wechseljahren ab. Bei der natürlichen Menopause kommt es normalerweise nicht zu einem typischen abrupten Abfall wie beim Estradiol. Nach der Entfernung beider Eierstöcke können die Werte dagegen deutlich sinken.
Diese Veränderungen verlaufen individuell. Aus dem Lebensalter oder dem Eintritt der Menopause allein lässt sich deshalb kein behandlungsbedürftiger Testosteronmangel ableiten.
Wenn Sie sich anhaltend erschöpft oder energielos fühlen, verdienen diese Beschwerden eine sorgfältige Abklärung. Hormonelle Veränderungen können dabei ebenso berücksichtigt werden wie Schlafstörungen, Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente oder andere Erkrankungen.
Auch bei Erschöpfung und Energiemangel können niedrige Testosteronwerte vorliegen. Ob sie die Beschwerden tatsächlich verursachen, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Für Frauen gibt es kein allgemein anerkanntes Testosteronmangelsyndrom, das anhand dieser Symptome und eines einzelnen Blutwertes sicher diagnostiziert werden kann.
Ein Nutzen der Testosterontherapie gegen Erschöpfung und Energiemangel ist bisher nicht ausreichend belegt. Diese Beschwerden allein gelten daher nicht als etablierte Behandlungsindikation.
Eine Blutmessung kann sinnvoll sein, wenn eine Testosterontherapie erwogen wird. Sie dient vor allem dazu, einen Ausgangswert festzuhalten und bereits erhöhte Werte zu erkennen. Während einer Behandlung helfen Kontrollen, zu hohe Testosteronspiegel zu vermeiden.
Ein niedriger Wert allein beweist keinen behandlungsbedürftigen Mangel. Beschwerden und Laborbefunde müssen gemeinsam beurteilt werden.
Am besten belegt ist die Behandlung bei Frauen nach der Menopause mit anhaltend verminderter Libido, die als belastend empfunden wird. Zuvor sollten mögliche andere Einflussfaktoren berücksichtigt werden, beispielsweise Schmerzen, Schlafprobleme, Medikamente oder Belastungen in der Beziehung. Für die Anwendung vor der Menopause ist die Datenlage begrenzter.
In Deutschland ist derzeit kein speziell für Frauen zugelassenes Testosteronpräparat verfügbar. Eine Behandlung erfolgt daher meist außerhalb der zugelassenen Anwendung, also „off-label“. Das erfordert eine individuelle ärztliche Entscheidung und Aufklärung.
Ein für Männer zugelassenes Gel kann in einer deutlich niedrigeren, ärztlich festgelegten Dosierung verwendet werden. Auch individuell angefertigte Testosteroncremes aus der Apotheke sind möglich. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit sind allerdings weniger gut untersucht; internationale Leitlinien bevorzugen geeignete standardisierte Präparate, wenn diese verfügbar sind.
Die Dosierung sollte im normalen weiblichen Bereich bleiben. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Akne und vermehrter Haarwuchs. Deshalb gehören die Beurteilung Ihrer Beschwerden und regelmäßige Kontrollen zur Behandlung.
Wenn Sie Veränderungen Ihrer Libido, anhaltende Erschöpfung oder einen Rückgang Ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit bemerken, sprechen Sie diese an. Ziel ist eine Behandlung, die zu den tatsächlichen Ursachen Ihrer Beschwerden passt.
Dr. med. Katja Aschenbrenner
Den Ursachen auf der Spur
Quellen:
Die Blog-Beiträge dienen der allgemeinen Weiterbildung und Information. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen nicht als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.
Wie können Sie Gesund-Werden? Wie Gesund-Bleiben? Die ganzheitliche Ärztin und Autorin Dr. med. Katja Aschenbrenner erzählt aus der Praxis über moderne Ganzheitsmedizin, Darmgesundheit, Hormone, Ayurveda und alles, was uns lebendig hält – für alle, die ihre Gesundheit verstehen und ihre Vitalität nachhaltig stärken wollen.
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