
Testosteron-Gel & Blutabnahme: Vorher auftragen oder lieber nicht?
Testosteron-Gel vor der Blutabnahme auftragen oder nicht? Warum der Zeitpunkt den Wert verändert und wie Ihre Werte über Jahre vergleichbar bleiben.
Vor Kurzem kam ein Patient etwas verunsichert in unsere Praxis. Er wendet Testosteron-Gel an und wird zusätzlich urologisch betreut. Seine Urologin hatte ihm gesagt, er solle das Gel vor der Blutabnahme wie gewohnt am Morgen auftragen. Wir dagegen bitten unsere Patienten, das Gel erst nach der Blutabnahme aufzutragen. Wer hat nun recht?
Die Antwort: beide. Die zwei Anweisungen widersprechen sich nicht. Mit der Blutabnahme werden zwei unterschiedliche, jeweils sinnvolle Fragen beantwortet. In diesem Beitrag erklären wir, was dahintersteckt.
Testosteron-Gel (z. B. Testogel) wird über die Haut aufgenommen. Nach dem Auftragen steigt der Testosteronwert im Blut innerhalb weniger Stunden an. Er erreicht im Tagesverlauf seinen Höchststand und sinkt dann bis zum nächsten Morgen langsam wieder ab.
Der Wert ist also nicht den ganzen Tag gleich. Er hängt davon ab, wie viele Stunden das Auftragen zurückliegt. Ein und derselbe Patient kann deshalb am selben Tag ganz unterschiedliche Testosteronwerte haben, je nachdem, wann das Blut abgenommen wird.
Es gibt zwei anerkannte Möglichkeiten, den Testosteronwert unter Behandlung zu kontrollieren. Beide sind richtig, solange man weiß, welche man gewählt hat.
Dieser Wert zeigt, wie gut das Gel über die Haut aufgenommen wird und welcher Spiegel im Tagesverlauf erreicht wird. So gehen viele Urologinnen und Urologen vor, und das entspricht den Empfehlungen der internationalen Fachgesellschaften.
Dieser Wert zeigt den Tiefstwert, also ob die Wirkung des Gels bis zum nächsten Morgen anhält und Sie rund um die Uhr ausreichend versorgt sind. So ist es in der Fachinformation des Herstellers beschrieben, und so machen wir es in unserer Praxis. Ein etwas niedrigerer Wert ist hier zu erwarten und kein Grund zur Sorge, denn genau dieser Tiefstwert wird mit den Zielwerten verglichen.
Ein Wert, der einige Stunden nach dem Auftragen gemessen wird, ist naturgemäß höher als ein Wert vor dem Auftragen. Wer einen Nachmittagswert aus der urologischen Praxis neben einen Morgenwert aus unserer Praxis legt, sieht deshalb scheinbar große Schwankungen, obwohl sich in Wirklichkeit nichts verändert hat. Aussagekräftig sind nur Werte, die unter gleichen Bedingungen gemessen wurden.
Damit Ihre Werte über Monate und Jahre vergleichbar bleiben, halten wir uns an eine feste Routine:
So entsteht eine Messreihe, in der Sie und wir erkennen können, ob sich etwas verändert.
Wenn Sie von zwei Praxen unterschiedliche Anweisungen bekommen, liegt das nicht an einem Fehler. Die eine Messung zeigt den Spitzenwert, die andere zeigt, ob die Versorgung bis zum nächsten Morgen reicht. Wichtig ist nur, die Werte nicht miteinander zu vermischen und bei jeder Messung den Zeitpunkt des letzten Auftragens anzugeben.
Die Blog-Beiträge dienen der allgemeinen Weiterbildung und Information. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen nicht als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.
Wie können Sie Gesund-Werden? Wie Gesund-Bleiben? Die ganzheitliche Ärztin und Autorin Dr. med. Katja Aschenbrenner erzählt aus der Praxis über moderne Ganzheitsmedizin, Darmgesundheit, Hormone, Ayurveda und alles, was uns lebendig hält – für alle, die ihre Gesundheit verstehen und ihre Vitalität nachhaltig stärken wollen.
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