Einleitung
Was ist ein Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)?
Mastzellen sind sehr wichtige und nützliche Zellen, die zu unserem Immunsystem gehören. Sie kommen im ganzen Körper vor und setzen verschiedene Botenstoffe frei, zum Beispiel Histamin, Leukotriene und Prostaglandine.
Bisher sind ungefähr 1200 Botenstoffe bekannt, die von den Mastzellen in bestimmten Situationen freigesetzt werden können. Beim Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) reagieren die Mastzellen zu schnell oder zu stark und setzen vermehrt Botenstoffe frei. Dadurch können Beschwerden in ganz unterschiedlichen Körperbereichen entstehen.
Studien gehen davon aus, dass bis zu 17-20 % der Bevölkerung von MCAS betroffen sein könnten.
Welche Beschwerden können auftreten?
Typisch ist eine Kombination verschiedener Beschwerden, zum Beispiel:
- Hautrötung, Juckreiz, Flush oder Schwellungen
- Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Übelkeit
- Herzrasen, Schwindel oder Blutdruckschwankungen
- verstopfte Nase, Husten oder Atembeschwerden
- Kopfschmerzen oder Migräne, Ängste, Unruhe
- Erschöpfung und Konzentrationsprobleme („Brain Fog“)
- Unverträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel, Medikamente, Gerüche oder anderer Reize
Die Beschwerden können dabei von Tag zu Tag unterschiedlich stark sein.
Was kann Beschwerden auslösen?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Häufige Auslöser / Trigger sind zum Beispiel:
- bestimmte Lebensmittel oder Alkohol
- Infekte
- Stress (körperlich/ psychisch)
- Hitze oder starke Temperaturschwankungen
- hormonelle Veränderungen
- körperliche Belastung
- bestimmte Medikamente, Duftstoffe oder Chemikalien
Wie wird MCAS festgestellt?
Die Diagnose ergibt sich vor allem aus dem typischen Beschwerdebild.
Zusätzlich können im Blut oder Urin Botenstoffe der Mastzellen beziehungsweise deren Abbauprodukte untersucht werden. Dazu gehören neben Tryptase insbesondere weitere Mastzellmediatoren wie Histamin, Prostaglandine oder Leukotriene. Nicht jeder dieser Werte muss erhöht sein. Auch normale Einzelwerte schließen ein MCAS nicht grundsätzlich aus. Auch die Zählung von Mastzellen in einer Darmbiopsie ist möglich. Wichtig ist außerdem, andere mögliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen.
Wie wird MCAS behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden. Im Vordergrund steht die individuelle Trigger-Vermeidung. Dabei geht es nicht darum, immer mehr Lebensmittel oder Aktivitäten zu vermeiden, sondern herauszufinden, welche Faktoren tatsächlich Beschwerden auslösen. Häufig eingesetzte Medikamente:
- Antihistaminika (z.B. H1- und H2-Rezeptorenblocker)
- Medikamente zur Stabilisierung der Mastzellen, zum Beispiel Cromoglicinsäure oder Ketotifen
- gegebenenfalls Montelukast (Leukotriene-Hemmer)
- bei schwereren Verläufen weitere spezielle Therapien, zumeist Off-Label
Wichtiger Hinweis:
Die Blog-Beiträge dienen der allgemeinen Weiterbildung und Information. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen nicht als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.
Blog „Lebendig Lang Leben“
Wie können Sie Gesund-Werden? Wie Gesund-Bleiben? Die ganzheitliche Ärztin und Autorin Dr. med. Katja Aschenbrenner erzählt aus der Praxis über moderne Ganzheitsmedizin, Darmgesundheit, Hormone, Ayurveda und alles, was uns lebendig hält – für alle, die ihre Gesundheit verstehen und ihre Vitalität nachhaltig stärken wollen.
Über Dr. med. Katja Aschenbrenner
Ich bin Dr. med. Katja Aschenbrenner. Wenn niemand die Ursache findet, fängt meine Arbeit an. Ich helfe Menschen mit dauernder Erschöpfung, unklaren Beschwerden oder chronischen Krankheiten, mit ganzheitlicher und funktioneller Medizin.
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4 Kommentare
ich vertrage Antihistaminika nicht, auch nicht Chromoglycinsäure.
Was kann ich machen, um überhaupt etwas zu tun. Habe zu wenig DAO.
Freundliche Grüße,
Beta Hermanm
Liebe Frau Hermanm,
vielen Dank für Ihre Frage.
Wenn Sie die genannten Medikamente nicht vertragen und diese aus der herkömmlichen Apotheke bezogen haben, wäre es eine Möglichkeit, Antihistaminika und Cromoglycinsäure in Reinform in speziellen Apotheken anfertigen zu lassen, ohne Zusatzstoffe.
Oft sind es tatsächlich die Zusatzstoffe, die zu Unverträglichkeiten führen, und nicht die reinen Substanzen.
Ich hoffe, dass Ihnen das etwas weiterhilft.
Herzliche Grüße
Dr. Katja Aschenbrenner
Hallo Frau Dr. Aschenbrenner!
Vielen Dank für den interessanten Blog-Beitrag.
Ich nehme bereits die volle Palette an hochdosierten MCAS-Medikamenten, bekomme jedoch trotzdem regelmäßig heftige Schübe. Oft werden sie durch perimenopausale Östrogenpeaks ausgelöst, die trotz Hormonersatztherapie bisher nicht zu verhindern sind. Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich?
Vielen Dank und viele Grüße
F. Hoffmann
Liebe Frau Hoffmann,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Hormonelle Schwankungen können MCAS-Beschwerden tatsächlich deutlich beeinflussen, und gerade in der Perimenopause können ausgeprägte Östrogenschwankungen trotz Hormonersatztherapie weiterhin Schübe triggern.
In solchen Fällen würde ich weniger auf „mehr“ Hormone als auf eine möglichst gleichmäßige Hormonlage achten – häufig ist eine transdermale Estradiolgabe günstiger als stärker schwankende Applikationsformen.
Auch die Progesterondosis, Art der Anwendung und das Einnahmeschema können eine entscheidende Rolle spielen. Manchmal braucht es hier etwas Zeit und mehrere Anpassungen, manchmal auch je nach Beschwerden tägliche Anpassungen, z.B. der Progesterondosis, bis die hormonellen Spitzen und damit auch die Mastzellaktivierung besser kontrolliert sind.
Bei weiterhin heftigen Schüben würde ich sowohl die Hormonersatztherapie als auch die MCAS-Basismedikation noch einmal individuell überprüfen lassen.
Ich drücke die Daumen!
Herzliche Grüße
Dr. Katja Aschenbrenner